Wo kritische Journalisten verschwinden: Die Verschleierung der Corona-Krise in China

Die chinesische Staatsführung hält nicht nur die Ausbreitung des Virus, sondern auch das öffentliche Wissen darüber mit strengen Maßnahmen im Griff. Die Staatsmedien beschönigen und verharmlosen die Situation. BürgerjournalistInnen versuchen mit heimlich gedrehten Aufnahmen die realen Zustände zu zeigen und bringen sich dadurch in Gefahr.

Theresa Berger und Sandra Stehrer

„Ein Auto der Staatssicherheit verfolgt mich. Ich bin in Wuhan, sie verfolgen mich.“ Der chinesische Journalist Li Zehua habe aufgebracht in sein Handy gesprochen, während er sich bei seiner Flucht gefilmt habe, berichtet ARD-China-Korrespondent Axel Dorloff. Li Zehua hat im Februar als unabhängiger Journalist aus dem Krisengebiet Wuhan berichtet. Er stellte heimliche Aufnahmen von überfüllten Krankenhäusern und Interviews mit überforderten Mitarbeitern in Krematorien ins Netz. Am 26. Februar sendete Li Zehua gerade live aus seiner Wohnung, als Sicherheitsbeamte ihn abholten und laut offizieller Angaben in Quarantäne brachten. Zwei Monate lang gab es kein Lebenszeichen von ihm. 

Staatsmedien versus Bürgerjournalisten

Der staatliche Zensurapparat lässt keine Kritik zu. In neu gebauten Krankenhäusern werden sehr wenige Kranke von vielen ÄrztInnen versorgt, PatientInnen lächeln und Krankenschwestern winken in die Kamera: Diese Bilder veröffentlichten die chinesischen Staatsmedien in den letzten Wochen. Die Staatsführung inszeniert ihr Vorgehen in der Corona-Krise als großen Erfolg. Lange haben die Behörden versucht, das Ausmaß des Virus unter Verschluss zu halten und die Zahl der Infizierten und Toten zu vertuschen. Die sozialen Medien werden streng überwacht, kritische Kommentare werden gelöscht und Videos gesperrt.

Freie Presse? – Fehlanzeige

Die Unterdrückung oppositioneller JournalistInnen in China ist kein neues Phänomen. Die Regierung gehe scharf gegen Kritik vor, indem sie das Internet zensiere, JournalistInnen mundtot mache und unter teils lebensbedrohlichen Umständen inhaftiere, so die Organisation „Reporter ohne Grenzen“. In deren Rangliste der Pressefreiheit nimmt China Platz 177 von 180 Ländern ein.

Im Westen wird China vorgeworfen, durch eine fehlerhafte Berichterstattung, die weltweite Ausbreitung des Virus beschleunigt zu haben. Offensichtlich hat das kommunistische System Chinas aus den Fehlern und Versäumnissen in der Ausbruchszeit des Virus nichts gelernt, denn das Regime setzt weiterhin auf staatliche Propaganda statt auf wahrheitsgemäße Berichterstattung. Parallel dazu nimmt der Widerstand im Netz zu und die kritischen Stimmen werden immer lauter.

Ruhig geworden ist es hingegen um Li Zehua. Laut BBC sei er am 22. April wieder aufgetaucht und habe in einem Video knapp erklärt, dass er unter besten Bedingungen in Quarantäne gewesen sei. Von zwei weiteren Journalisten, die aus Wuhan berichtet hatten, fehlt noch immer jede Spur. 

Weiterführende Links:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Corona-Virus-Buergerjournalisten-vs-Staatsmedien-,china1242.html

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/china-coronavirus-politik-opposition-repression-polizei-usa

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/china/alle-meldungen/meldung/kritik-am-krisenmanagement-unterdrueckt/

https://www.tagesschau.de/ausland/wuhan-journalist-verschwunden-101.html

https://www.bbc.com/news/world-asia-china-52392762

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