Rassismus: Hautfarbe ist nur der Anfang

Die erneut auflebende Debatte um #BlackLivesMatter ist durch aktuelle Ereignisse wieder präsent. Nach dem gewaltvollen Tod eines Schwarzen durch Polizisten ist die Diskussion um Rassismus aktueller denn je. Doch nicht nur Hautfarbe allein spielt eine Rolle, vielmehr geht es um die Verschränkung mehrerer Eigenschaften.

Jasmin Scheffler & Simon Salerno

„I can’t breathe”: Das waren die letzten Worte des Afroamerikaners George Floyd. 8 Minuten und 46 Sekunden kniete ein Polizist auf seinem Nacken und nahm ihm die Luft zum Atmen. Das Video dieses tragischen Vorfalls in Minneapolis ging um die Welt. Doch übertrieben gewaltvolle Maßnahmen von Polizisten gegen schwarze Bürger sind in den Vereinigten Staaten keine Seltenheit.

Der aktuelle Fall löste eine Welle aus Protesten und Gewalt aus. Landesweit finden Demonstrationen statt, die teilweise auch ausufern. Neben den mitunter provozierenden Maßnahmen des US-Präsidenten gibt es ebenso Deeskalationsstrategien und Bemühungen, um die Situation zu beruhigen. So verbot die Stadt Minneapolis ihren Polizisten nun den Einsatz des Würgegriffes. Außerdem bekundeten alle noch lebenden ehemaligen US-Präsidenten ihre Solidarität mit #BlackLivesMatter und verurteilten die Vorgehensweise ihres regierenden Nachfolgers. Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser, selbst Afroamerikanerin, benannte den Platz vor dem Weißen Haus in „Black Lives Matter Plaza“ um. Mitarbeiter der Stadt pinselten zudem in großen gelben Buchstaben das Motto der Antirassismus-Bewegung auf die von dort ausgehende 16. Straße.

Schon mit der Ankunft afrikanischer Sklaven in Amerika begann auch deren Kampf gegen Ungerechtigkeit. Sojourner Truth, eine freigelassene Sklavin, sprach auf einem Frauenkongress 1851 in ihrer Rede „Ain’t I a Woman?“ („Bin ich nicht eine Frau?“) von dreifacher Diskriminierung ihrer Person. Darauf basiert das Konzept der sogenannten Intersektionalität, also der Verschränkung verschiedener Strukturkategorien. Im Fall von Sojourner Truth bedeutet das das Zusammenspiel aus Rasse, Klasse und Geschlecht. Truth war schwarz, arm und weiblich. Die Eigenschaften stehen also nicht nur jede für sich, sondern sie stehen in wechselseitiger Wirkung zueinander. Intersektionalität ist eine Ende der 1970er-Jahre entstandene Erweiterung der Gender Studies, die mit diesem Konzept ein bahnbrechendes Instrument zur Sichtbarmachung von Rassismen schufen. Kurz zusammengefasst besagt die Intersektionalität, dass Benachteiligungen nicht alleine zum Tragen kommen, sondern immer verschränkt sind. Das ist auch das Anliegen der #BlackLivesMatter-Bewegung: Ihre Hautfarbe ist der Hauptauslöser für Diskriminierung, aber die Verschränkungen sorgen für Nachteile.

Auch im Falle des getöteten George Floyd kam es zu einer Verschränkung der Strukturkategorien Rasse und Klasse. Die Hautfarbe trennt noch immer die Menschen, was ein Wir-Sie-Denken etabliert und auf diese Weise strukturellem Rassismus den Weg ebnet. Afroamerikaner sehen sich tagtäglich mehreren Rassismen ausgeliefert, sie sind übermäßig häufig Opfer polizeilicher Gewalt. Sie stellen etwa ein Achtel der US-Bevölkerung, aber ein Viertel aller von der Polizei Getöteten. Daneben gibt es noch offensichtlichere Formen des Rassismus, die auf den Sozialdarwinismus zurückgehen und Menschen schwarzer Hautfarbe als minderwertig betrachten. Dabei handelt es sich nicht nur um ein US-amerikanisches Problem, sondern um ein weltweites. Jeder sollte erkennen, wie schnell Alltagsrassismus Einzug in das eigene Leben hält. Rassismus geschieht schneller, als uns bewusst ist und wir sollten uns darauf fokussieren, die Welt weniger rassistisch zu gestalten.

Fotocredits: Pixabay

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