Länderbericht: Ungarn (Digital News Report)

Die ungarische Medienlandschaft ist in der Regierungszeit von Vikor Orbán fast vollständig unter staatliche Kontrolle geraten. Dies ist ein wesentlicher Aspekt, warum das Vertrauen in Medien in Ungarn sehr gering ist. Soziale Medien sind die Hauptnachrichtenquelle für Nachrichten. Gedruckte Zeitungen waren im Vergleich dazu nur wenig genutzt.

Boschner Anna, Switil Michael

Hauptstadt: Budapest
Staatsform: Republik
Regierungssystem: Parlamentarisches Regierungssystem
Staatsoberhaupt: Staatspräsident János Áder
Regierungschef: Ministerpräsident Viktor Orbán
Einwohnerzahl: 9,8 Mio.
Fläche: 93.036 km2
Internetausbau: 98 Prozent

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In den vergangenen Jahren hat sich die ungarische Medienlandschaft stark verändert. Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei regieren seit 2010 und haben in dieser Zeit zahlreiche Medien unter ihre Kontrolle gebracht (vgl. Reporter ohne Grenzen 2020:o.S). Betroffen sind vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Lokalzeitungen. 2019 wurden die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in einer staatlichen Medienholdung zentralisiert. Seit dem Sommer 2017 ist zudem die regionale Presse fast vollständig im Besitz von Orbán-freundlichen Unternehmen. 2018 wurden schließlich 476 regierungsnahe Medienunternehmen zu einer Holding („Central European Press and Media Foundation CEPMF) zusammengefasst. Die Vorstände und Beiräte dieser Holding sind mit regierungsnahen Personen besetzt. Damit lässt sich deren Berichterstattung zentral koordinieren (vgl. ebd.).

Zu den bekanntesten Titeln im Besitz von CEPMF gehören die zweitgrößte Boulevardzeitung des Landes, eines der meistbesuchten Online-Nachrichtenportale und zahlreiche Radio- und TVUnternehmen (DNR 2019: 90). Die Schaffung der Holding war jedoch nicht rechtens. So lautete das Urteil des ungarischen Staatsgerichts im Januar 2020 (Zeit Online 2020: o.S).

Kritische Medien, wie die überregionalen Zeitungen Népszabadság und Magyar Nemzet wurden eingestellt. Népszabadság war bis 2016 die wichtigste und qualitätvollste Oppositionszeitung Ungarns. Die überregionale Tageszeitung hatte zuletzt Regierungsskandale aufgedeckt (Spiegel 2016:o.S). Die Tageszeitung Magyar Nemzet galt jahrelang als orbán-freundliche Tageszeitung bis es schließlich zu einem Konflikt zwischen dem Chefredakteur und Viktor Orbán kam. Seitdem berichtete Magyar Nemzet regierungskritisch. 2018 gaben die Eigentümer die Schließung der Zeitung aus finanziellen Gründen bekannt. Damit verschwand die letzte überregionale Tageszeitung des Landes, die nicht von der Regierung kontrolliert wurde. Die meisten noch vorhandenen regierungskritischen Medien sind über Online-Portale zu finden. Während regierungsnahe Medien mithilfe von Inseraten der öffentlichen Hand staatlich finanziert werden, kämpfen regierungskritische Medien mit dem Überleben. Einige experimentieren deshalb mit neuen Wirtschaftsmodellen wie Crowdfunding (vgl. DNR 2019:90).

Die Gegenüberstellung der beliebtesten Nachrichtenmarken Offline und Online zeigt, dass gerade offline vermehrt regierungsnahe Medien konsumiert werden. Soziale Medien sind die Hauptnachrichtenquelle in Ungarn (2019:62,98 Prozent). Gedruckte Zeitung werden nur von wenigen Ungarinnen und Ungarn gelesen (12,19 Prozent).

Hinsichtlich des Vertrauens in Medien, die persönlich genutzt werden, zeigt der Report eine Besonderheit. Das allgemeine Vertrauen in Nachrichten ist in Ungarn höher, als das Vertrauen in Nachrichten, die von Ungarinnen und Ungarn genutzt werden. Auch das Vertrauen in Nachrichten auf Social Media ist geringer, als das allgemeine Vertrauen in Nachrichten.

Hier können Sie den vollständigen Länderbericht herunterladen.

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