Länderbericht: Japan (Digital News Report)

Die Medienlandschaft in Japan ist geprägt durch auflagenstarke Zeitungen, fünf landesweite Fernsehsender, sowie fünf Rundfunkanstalten. Alle großen Tageszeitungen in Japan sind wirtschaftlich mit einem Fernsehsender verbunden. Durch den Rückgang der traditionellen Leserschaft versuchen die Verleger, sich die Digitalisierung zunutze zu machen.

Hauptstadt: Tokio
Staatsform: Parlamentarische Erbmonarchie
Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt: Kaiser Naruhito
Regierungschef: Premierminister Shinzō Abe
Einwohnerzahl: 125,87 Millionen
Fläche: 377.915 km2
Internetausbau: 93 Prozent

Kathrin Buschmann, Melanie Gastberger, Julia Romanin

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„Reporter ohne Grenzen” stuft Japan auf Platz 67 von 180 auf der „Rangliste der Pressefreiheit 2019”. Der Amtsantritt von Premierminister Shinzo Abe zog Misstrauen nach sich. Medienpluralismus wird grundsätzlich respektiert, wird aber durch stetig zunehmende Medienbesitzkonzentration unter Druck gesetzt.

Entwicklungen wie die US-Militärpräsenz in Okinawa und die Nuklearkatastrophe Fukushima im Jahr 2011 haben eine Zensur in der japanischen Berichterstattung mit sich gebracht. Journalisten und Journalistinnen beklagen, nicht uneingeschränkt über derartige Ereignisse berichten zu können. Atomlobby und Regierung setzen die Medien unter Druck.

Kritik gibt es für die sogenannten „Kisha Clubs“ (Reporter-Clubs), die freie Journalisten und Journalistinnen und ausländische Reporter und Reporterinnen benachteiligen. Seit 2013 gibt es ein Whistleblower Gesetz, das die Verbreitung von geheimen Informationen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. 

Der Freedom House Index stuft Japan mit 96 Punkten als „free“ ein.

Das Fernsehen ist die Hauptnachrichtenquelle in Japan. 1953 begann die Geschichte der Fernsehübertragung und behält bis heute seine Beliebtheit. Das terrestrische Fernsehen wurde 2011 vollständig zum terrestrischen digitalen System.

Die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen, ist in den letzten Jahren zurückgegangen. 2019 zahlten nur mehr 7 Prozent der Befragten für Online-Nachrichten. Die häufigsten Formen für die Bezahlung von Online-Nachrichten waren Zahlungen als Teil eines Print-Digital-Bündels oder für ein Print Abo. 2019 bezahlten 37 Prozent der Befragten dafür. Ein möglicher Grund für die relativ niedrige Zahlungsbereitschaft für Online-Medien könnte eine generelle „Abo-Müdigkeit” sein. Es werden für immer mehr Dienste Abos abgeschlossen (Netflix, Amazon, Spotify, etc.). Die Japaner und Japanerinnen sind nicht bereit für sämtliche Dienste Geld auszugeben und setzen Prioritäten, zu Lasten qualitativ hochwertiger Nachrichten. Oftmals wird das Unterhaltungsangebot (wie Filme und Musik) dem Nachrichtenangebot vorgezogen.

Ein auffälliger Aspekt in der japanischen Online-Medienlandschaft ist die dominante Präsenz von „Yahoo! News“, welches Anfang der 2000er Jahre als wichtigste Portal-Website populär wurde. „Yahoo! News“ sammelt Nachrichten von unterschiedlichen Nachrichtenanbietern. Anstelle von Algorithmen wählen echte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen acht Top-Storys zur Platzierung auf der Homepage. Hier finden unterschiedliche Genres wie Politik, Wissenschaft, Weltnachrichten oder Sport Platz.

Bei der Nutzung des Internets für Nachrichten lag „Google News“ 2019 mit 19 Prozent an erster Stelle. An zweiter Stelle folgte „Line News“ mit 18 Prozent. „Line News“ zählt zu einer der beliebtesten sozialen Plattformen in Japan und erreicht 79 Mio. Japaner und Japanerinnen. Die Plattform bietet professionelle Nachrichten sowie Chat-Funktionen an. Weiters wird „Line“ von investigativen Journalisten und Journalistinnen verwendet, um nach wichtigen Nachrichten zu suchen.

Bei den Social Media Plattformen liegt nicht, wie in vielen Ländern, „Facebook“ weit vorne, sondern „YouTube“ mit 49 Prozent (2019). Gefolgt von „Line“ mit 37 Prozent und „Twitter“ mit 25 Prozent. Diese Präferenzen lassen erkennen, dass die Anonymität in Japan eine große Rolle spielt. Die Social Media Plattformen werden von Menschen genutzt, die sich anonym äußern möchten. Auf „Facebook“ ist das nicht möglich, denn hier ist die Grundvoraussetzung für die Nutzung die Angabe des richtigen Namens.

Immer mehr Menschen vermeiden den Konsum von Nachrichten, da die Berichterstattung in den Medien oft sehr negativ ist. In Japan ist dies nicht der Fall, hier ist die Vermeidung von Nachrichten am niedrigsten. Nur 11 Prozent der Japaner und Japanerinnen meiden aktiv die Nachrichten. Ein Grund hierfür ist, dass das Lesen von Nachrichten in Japan oft als Pflicht angesehen wird.

Hier können Sie den vollständigen Länderbericht herunterladen.

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