Länderbericht: Frankreich (Digital News Report)

Frankreich kämpft seit Jahren mit sinkendem Vertrauen der Bevölkerung in Medien und Politik. Speziell die Bewegung der Gelbwesten und die Wahl des Präsidenten Emmanuel Macron stellen einen Einschnitt dar. Hinzu kommen Anschläge, welche die Bevölkerung in Unsicherheit zurücklassen.

Daniel Berger, Tobias Bischof, Laura Strauss

Hauptstadt: Paris
Staatsform: Republik
Regierungssystem: semipräsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt: Emmanuel Macron
Regierungschef: Édouard Philippe
Einwohnerzahl: 67 m
Fläche: 543.965 km2
Internetausbau: 93 Prozent

PPP-Länderstudien_Frankreich

Die Lage der Regierung um Präsident Emmanuel Macron ist in Frankreich aktuell prekär. Auf Grund ihrer Stellung ist sie kaum in der Lage neue Reformen zu erlassen. Steuererhöhungen und späterer Renteneintritt sind in Frankreich attackiert worden. Viele Personen demonstrierten gegen verschiedenste Reformversuche der Regierung. Macron sperrte direkt nach seinem Amtsantritt Journalisten und Journalistinnen aus dem Elyseé-Palast aus und sorgte für noch weniger Transparenz. Insbesondere die Gelbwesten-Bewegung stellt einen Protest gegen das französische Parlament dar. Aus einer Social-MediaInitiative wurde in kurzer Zeit ein flächendeckender Aufstand. Grund dafür war eine höhere Besteuerung alter Energiequellen. Dies nimmt das französische Volk zum Anlass, ihren Widerstand auf die Straße zu tragen.

Ein weiterer Aspekt sind die Geschehnisse der Vergangenheit. Zahlreiche Attentate in Paris überschatteten das Land. Die Unsicherheit im Land wurden durch Schießereien in Discos und Nachtclubs weiterhin geschürt. Zuvor fand ein Attentat statt, welches die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ als Ziel hatte. Nach diesen Vorkommnissen werden die Arbeit und Berichterstattung der Presse stark kritisiert. Falsche Informationen und Aussagen kamen durch schlechte Berichterstattung an die Öffentlichkeit und führten zu weiterer Verunsicherung und weniger Vertrauen.

Das Mediensystem in Frankreich lässt sich nach dem „Comparing Media Systems“ von Daniel C. Hallin und Paolo Mancini zwischen demokratisch
korporatistische und polarisiertpluralistische einordnen. Das bedeutet, dass sich die Medien an Eliten orientieren. Außerdem sind diese kommerziell ausgerichtet. Es bestehen Ähnlichkeiten mit dem italienischen, spanischen und griechischen Mediensystemen. Ein weiteres Problem ist das fehlende Vertrauen der ländlichen Bevölkerung in Politik und Medien aus der Hauptstadt. Vielen Journalisten und Journalistinnen aus überregionalen Medien werden Korruption und fehlende Unabhängigkeit vorgeworfen. Dies deckt sich mit dem fehlenden Vertrauen in Politik und Medien.

Der globale Trend, hin zu OnlineAngeboten, setzt sich auch in Frankreich fort. Smartphones und Laptops spielen eine immer größere Rolle. Überraschend ist, dass Tablets diese Entwicklung nicht nachweisen. Dahingehend lässt vor allem der Sektor Print nach. Die traditionellen Angebote von Fernsehen und Radio spielen immer noch eine wichtige Rolle, auch wenn der Unterschied zu digitalen Angeboten deutlich gesunken ist.

Am stärksten bedroht ist in Frankreich die Presse. Diese leidet seit Jahren unter fallenden Auflagen und weniger Interesse. Einen wirklichen Abonnentenstamm besitzt das Zeitungswesen in Frankreich nicht. Gedruckte Exemplare werden vor allem am Kiosk gekauft. Insbesondere die Tageszeitungen erleben seit den 70er und 80er Jahren einen starken Leserschwund. Zu Beginn der Nachkriegszeit existierten in Frankreich noch 28 nationalerscheinende politische Tageszeitungen. Heute sind es noch acht. Die Boulevardzeitungen erleben einen ähnlichen Fall, jedoch fällt dieser milder aus. Viele französische Bürger und Bürgerinnen nutzen Gratiszeitungen wie „20Minutes“ oder „CNews Matin“. Dies führt zu weniger Werbeeinnahmen von Qualitätsmedien. Ganz unschuldig ist die Presse selbst jedoch nicht: Der Sprung von Print auf technische und redaktionelle Modernisierungen wurde Großteils verpasst. Ebenso wird der
Presse in Frankreich eine gewisse Staatsnähe vorgeworfen.

Der Umstieg von Offline-Medien zu Online-Angeboten ist in der Französischen Republik also nicht allen Anbietern gut gelungen: Vor allem Gratiszeitungen wie 20Minutes oder Tageszeitungen wie LeMonde profitieren von der Veränderung. Diese haben einen starken Anstieg der Nutzung zu verzeichnen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender spielen in Frankreich eine zentrale Rolle. Sie gehören zu den drei beliebtesten Medien, um Nachrichten zu konsumieren. Die wichtigsten Kanäle sind France 2, France 3, France 4 und France 5. Der ursprüngliche öffentlich-rechtliche Sender France 1 wurde 1987 privatisiert, in TF1 unbenannt und ist in Frankreich seit jeher der weitreichenstärkste Kanal. Der private 24-StundenNachrichtensender BFM TV spielt eine ebenso wichtige Rolle. Privatsender und öffentlich-rechtliche Kanäle halten sich in Frankreich also die Waage.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Vertrauen in Frankreich weiter abnimmt. Die Bevölkerung wirkt unzufrieden und zahlreiche Proteste und Ausschreitungen erschüttern die Republik. Die Presse hat einen schweren Stand, der zum Teil auch selbst verschuldet ist. Der Umstieg zu moderneren Geräten und Informationswegen ist im Gange, hat aber seine Opfer gefordert. Die öffentlich-rechtlichen Sender spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Die größte Sorge Frankreichs ist die Bevölkerung wieder zu vereinen und ein Vertrauensverhältnis zwischen Politik und Bevölkerung wiederherzustellen. Dieses fehlende Vertrauen zeigt sich auch in der Altersgruppe zwischen 18 und 24. Diese Personen wenden sich Großteils vom traditionellen Angebot ab und weichen auf Online-Medien aus. Diese Tatsachen zeichnen ein bedenkliches Bild für die Zukunft der französischen Medienlandschaft.

Hier können Sie den vollständigen Länderbericht herunterladen.

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