Gerontokratie – ein altes Problem

Die Gesellschaft wird immer älter und das spiegelt sich auch in den beiden US amerikanischen Präsidentschaftskandidaten wider. Joe Biden und Donald Trump sind über 70 Jahre alt und damit nicht mehr die Jüngsten. Leben wir bald in einer Gerontokratie, einer Herrschaft der Alten?

Jasmin Scheffler, Simon Salerno

Die anstehenden US-Wahlen sind von vielerlei Themen geprägt: Rassismus, Spaltung der Gesellschaft und der Corona-Krise. Beide Kandidaten bemühen sich derzeit, potenzielle Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Inwieweit das gelingt, wird sich herausstellen, schließlich wartet die Welt gespannt auf das Ergebnis. Viel aufregender aber ist die wenig beachtete Tatsache, dass es sich bei den Kandidaten um zwei Personen handelt, die noch jenseits der 70 um das höchste Amt in ihrem Land buhlen.

Egal, wie die Wahl ausgehen mag, es wird ein älterer Mann als Gewinner hervorgehen. Die Gesellschaft wird immer älter, diese Gruppe macht einen großen Anteil in der Bevölkerung aus. Sie möchte repräsentiert werden, und das schlägt sich in der Auswahl der Kandidaten nieder. Als Folge daraus entsteht zwangsweise die Gerontokratie – eine Herrschaft der Alten. Der Begriff beschreibt einen Ältestenrat, dessen Ursprung im antiken Griechenland liegt. Neu aufgegriffen wurde das Wort in den 1980er-Jahren, da in der Sowjetunion innerhalb weniger Jahre zwei Generalsekretäre der Kommunistischen Partei aufgrund ihres Alters verstarben. Auf diese Weise zeigten die Sowjets, warum Leute ab einem bestimmten Alter nicht mehr in entscheidende Ämter gehören. Schon damals erfuhr hohes Alter in der Politik dadurch einen schlechten Ruf – nicht zuletzt aufgrund des medial vermittelten Bildes.

Dieser Sachverhalt ist für uns als Kommunikationswissenschaftler interessant, da auch wir das stetige Älterwerden in der Gesellschaft in verschiedenster Weise verfolgen. Unter anderem liegt die Darstellung älterer Menschen in den Medien in unserem Forschungsinteresse. Donald Trump bezeichnet seinen Gegner immer wieder als „Sleepy Joe“, um ihn auf diese Weise als senil darzustellen. Auch in medialen Produktionen spielen alte Menschen zumeist passiv gehaltene Rollen. Aus diesen brechen sie nur selten aus, wenn sie sogenannte „Silver Surfer“, also aktive ältere Menschen, verkörpern. Die stereotype Darstellung beschränkt sich auf alte und schwache Senioren, die zumeist eine untergeordnete Rolle einnehmen. Alter ist eine Eigenschaft, die medial negativ beschrieben wird. Verstärkt wird dieser Effekt seit einiger Zeit durch Donald Trump, der sich dazu entschied, den altersbedingten Zustand seines Kontrahenten mehrmals aufzugreifen. So lässt der aktuelle US-Wahlkampf dieses Thema wieder in unser Bewusstsein rücken.

Fotocredits: Pixabay

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.