Faire Medienförderung statt Boulevard-Taschengelderhöhung

Die Corona-Krise veranlasst die österreichische Regierung zu einer zusätzlichen Medienförderung. Diese orientiert sich an der bestehenden Marktmacht und der Druckauflage. Unabhängige und regierungskritische Medien sowie Online-Medien werden nicht berücksichtigt. 

Kathrin Buschmann, Melanie Gastberger & Julia Romanin

Die großen Gewinner der Corona-Förderung sind auflagenstarke Tageszeitungen wie die „Kronen Zeitung“, der „Kurier“ und Gratiszeitungen wie „Heute“ und „Österreich“. Zum Vergleich: Die “Kronen Zeitung” bekommt 2,72 Millionen Euro, während der “Der Standard” 0,52 und die “Salzburger Nachrichten” 0,54 Millionen Euro erhalten. Ein Boulevard-Belohnungsgesetz?

Der Kommunikationswissenschaftler und Universitätsprofessor Matthias Karmasin setzt sich für Qualität statt Quantität ein. Um das zu erreichen, hat er folgende Vorschläge: Die Höhe der Förderung soll zum einen von der Anzahl des Personals, das nach dem Journalisten-Kollektivvertrag angestellt ist, abhängig sein. Zum anderen soll auch die Beteiligung an den Institutionen der Selbstkontrolle, wie dem Presserat, eine Förderungsbedingung sein.

Ein weiteres Problem: Der digitale Vertrieb bleibt außer Acht, und das im Zeitalter der Digitalisierung. Digitale Medien sind gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je. Sie bieten einen einfachen Zugang zu Nachrichten und stellen Interaktionsmöglichkeiten für Leser bereit. „Digitale Information ist der beste Weg zum Social Distancing“, so Karmasin. Eine aktuelle Gallup-Studie zeigt, dass 69 Prozent der „Standard“-Leser und 39 Prozent der „Salzburger Nachrichten“-Leser ihre Nachrichten ausschließlich online konsumieren. Das verdeutlicht, wie wichtig der Online-Journalismus in Zeiten der Corona-Krise ist.

Die Auflagenhöhe als Bemessungsgrundlage heranzuziehen, erscheint fragwürdig, unzeitgemäß und ignoriert journalistische Vielfalt und Qualität. Vielmehr sollte das Medienförderungsgesetz sowohl dem digitalen Wandel als auch Qualitätskriterien mehr Bedeutung beimessen. Nur so würde die Förderung ihren Zweck erfüllen und zu einer qualitativ hochwertigen und vielfältigen Presselandschaft in Österreich beitragen.  

Die Medien- und Informationspolitik der Regierung verschärft die bestehende Wettbewerbsverzerrung. Unabhängiger Qualitätsjournalismus ist für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft unabdingbar. Medien sollten nicht nur die Meinung der Regierung widerspiegeln, sondern deren Handlungen hinterfragen. Das Gesetz für Medienförderung ist zum Gesetz für Regierungsloyalität geworden. Es vernachlässigt kritischen Qualitäts- und Onlinejournalismus und gefährdet dessen Position und Funktion.  

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