Durch Corona ins neue Biedermeier

In der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie will sich die Bevölkerung sicher fühlen. Menschen wollen vertrauenswürdige Nachrichten zu jeder Zeit beziehen können. Warum der Fernseher gerade eine Renaissance feiert und uns das in ein neues Biedermeier führen könnte.

Katharina Placereano, Michaela Jahn

Abends um halb acht in Österreich: Das Kind schläft, der Hund ist gefüttert und das Ehepaar setzt sich auf die Couch. Die Hand greift zum Smartphone und Siri schaltet den Fernseher ein. Gleich beginnt die Zeit im Bild und die Menschen wollen sich über die neuesten Entwicklungen zum Corona-Virus informieren. Tarek Leitner bereitet seriös die Nachrichten auf, während auf den Smartphones Fakten überprüft und die Meinungen auf Facebook und Twitter gecheckt werden. Ist das das neue Biedermeier Zeitalter?

Biedermeier ist für viele zuerst ein Möbelstil. Wer weiterdenkt, verbindet Biedermeier mit dem Rückzug ins gemütliche Privatleben in der Familie und mit schöner Wohnen.  Doch das Zeitalter war auch Metternichs Polizeistaat, geprägt von Zensur in sämtlichen – vor allem künstlerischen – Lebensbereichen. Menschen verloren ihre politische Mitbestimmung und zogen sich in ihre häusliche Privatsphäre zurück.

Derzeit begleitet die Bevölkerung ein ähnliches Bild. Durch die Corona Krise müssen Familien ihre Zeit zuhause verbringen. Sie versammeln sich pünktlich zu den Nachrichten vor dem Fernseher, wo sie einige Wenige über die aktuelle Lebenssituation von Vielen informieren.

Im März und April hat das GALLUP Institut für Meinungsforschung in zwei repräsentativen Studien erhoben, wie gut sich die österreichische Bevölkerung in Sachen Corona-Virus informiert fühlt. Die Ergebnisse sind positiv, vor allem in der Generation 55+. Die meisten Befragten beziehen ihre Informationen über das Fernsehen. Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk spielt eine wichtige Rolle – ihm bringen die Menschen das meiste Vertrauen bei der Corona-Berichterstattung entgegen. Der Studie zufolge halten drei Viertel der Befragten den Journalismus für (sehr) wichtig für die Gesellschaft. Kritischer und unabhängiger Journalismus ist wertvoll – vor allem in solch schwierigen Zeiten.

Heute Abend werden sich die Familien wieder pünktlich zur Zeit im Bild vor dem Fernseher versammeln. Hoffentlich führt uns diese Krise nicht zurück in einen von Zensur geprägten Polizeistaat, sondern vorwärts in ein gutes, digitales „Biedermeier“.

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