Länderbericht: Brasilien (Digital News Report)

Brasilien ist das größte und bevölkerungsreichste Land Südamerikas. In den vergangenen Jahren haben verschiedene Ereignisse das Medienverhalten der Brasilianer und Brasilianerinnen verändert. Insbesondere die Wahl von Jair Bolsonaro im Jahr 2018 hat Spuren hinterlassen. Die wichtigsten Fernseh-, Rundfunksender und Printmedien befinden sich im Besitz von wenigen, politisch einflussreichen Unternehmerfamilien. Diese Veränderungen haben die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten erschwert, oft kommt es zu Übergriffen und Bedrohungen.

Hauptstadt: Brasília
Staatsform: Bundesrepublik
Regierungssystem: Präsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt & Regierungschef: Präsident Jair Bolsonaro
Einwohnerzahl: 210 Mio. (2018)
Fläche: 8.515.770 km2
Internetausbau: 68 Prozent (2019)

Simon Salerno, Jasmin Scheffler

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Brasilien hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Ereignissen miterlebt, die sich auch auf die Nachrichtennutzung auswirkten. Auch der technologische Wandel machte sich deutlich bemerkbar. Mit seinen mehr als 200 Millionen Einwohnern ist es das bevölkerungsreichste Land Südamerikas und treibende Wirtschaftskraft mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 1,8 Billionen US-Dollar (Österreich 400 Milliarden). Es zählt zu den Schwellenländern, die noch nicht ganz den Sprung in die Riege der Industriestaaten schaffen, aber auch nicht zu den unterentwickelten Entwicklungsländern gehören. Das Land kämpft mit einer hohen Kriminalitätsrate, die sich vor allem in den Randbezirken der Großstädte offen zeigt. In diesen Vierteln herrschen zumeist absolute Armut, niedrige Bildung und hohe Arbeitslosigkeit.

Diese Probleme waren in den letzten Jahren vor allem bei den zwei sportlichen Großereignissen in Brasilien 2014 und 2016 in den Medien präsent. Sowohl während der Fußball-WM als auch während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gab es große Protestwellen gegen die damalige Präsidentin Dilma Rousseff. Eine ebenso große mediale Aufmerksamkeit in der Politik erlangte der aktuelle Staatschef Jair Bolsonaro. Seine umstrittenen erzkonservativen Ansichten verbreitete er auf Twitter und zog mithilfe dieser Methode weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahr 2018 wurde er von der Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung zu deren Staatsoberhaupt gewählt und regiert seither.

Die Politik Bolsonaros ähnelt der des aktuellen US-Präsidenten Trump, was sich auch in aktuellen Ereignissen widerspiegelt. Bei den großen Waldbränden 2019 griff er zu spät ein und auch in der Corona-Krise 2020 verharmloste er die Krankheit, was Brasilien in der Hinsicht zu einem der globalen Krisenherde werden ließ. Dieses nachlässige Handeln brachte ihm von vielen Seiten massive Kritik ein, unter anderem wurden auch Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut. Auch das häufige Teilen von Falschmeldungen und das bewusste Anheizen der Stimmung im Land zu seinen Gunsten wird ihm oft vorgeworfen.

Das brasilianische Mediensystem wird von wenigen Riesen beherrscht, die vor allem aus dem TV stammen und sich ebenso online als Spitzenreiter etablieren konnten. Hervorzuheben ist vor allem die Grupo Globo, die in Brasilien ihren Sitz hat, aber auch in anderen südamerikanischen Ländern eine bedeutende Stelle einnimmt. Der größte Konkurrent ist RecordTV, der aber von den Marktanteilen deutlich hinter allen zu Globo gehörenden Medien liegt. Die stärksten Printmedien sind die Zeitungen der Großstädte, allen voran São Paulo. Seit dem Amtsantritt des aktuellen Präsidenten erlebte das Land ein merklich raueres Klima, was sich auch im Umgang mit Journalisten bemerkbar macht. In den vergangenen Jahren ist es schon häufiger vorgekommen, dass diese bedroht oder sogar ermordet wurden. Auch unfaire Prozesse kommen immer wieder vor. Dies erschwert die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten und hat zur Folge, dass Brasilien im Ranking von Reporter ohne Grenzen Platz 107 belegt und somit im hinteren Mittelfeld angesiedelt ist.

Hier können Sie den vollständigen Bericht herunterladen.

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