Länderbericht: Australien (Digital News Report)

Das australische Mediensystem ist seit einigen Jahren im Umbruch. Die Medienlandschaft erlebte einen Umsturz durch Übernahmen, Redaktionsschließungen, daraus resultierende Jobverluste und eine Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im März 2020 hat die AAP, die einzige australische Presseagentur, angekündigt, bis Mitte des Jahres den Betrieb einzustellen. Darüber hinaus hat sich laut der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ die Pressefreiheit im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert.  

Theresa Berger, Sandra Stehrer

Hauptstadt: Canberra
Staatsform: Parlamentarisch-föderale Monarchie
Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt: Königin Elisabeth II
Regierungschef: Premierminister Scott Morrison
Einwohnerzahl: 25,6 Mio.
Fläche: 7.741.220 km2
Internetausbau: 93 Prozent

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Mit einer Fläche von rund 7,7 Millionen Quadratkilometern ist Australien das sechstgrößte Land der Erde und etwa 22 Mal so groß wie Deutschland. Eine vergleichsweise geringe Einwohnerzahl von 25,6 Millionen im Jahr 2019 belegt, dass der Kontinent dünn besiedelt ist. Eine Besonderheit ist der hohe Urbanisierungsgrad. So leben rund 86 Prozent der Bevölkerung in den Städten, 40 Prozent davon in den beiden Großstädten Sydney und Melbourne. Australien wird geführt von einer konservativen Regierung mit Premierminister Scott Morrison von der „Liberal Party of Australia“ an der Spitze. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag 2018 bei 56.400 US-Dollar, womit Australien gemessen an der Wirtschaftsleistung vergleichbar mit Deutschland ist. Darüber hinaus steht Australien für eine hohe Lebensqualität und mit durchschnittlich 82,5 Jahren ist die Lebenserwartung der australischen Bevölkerung eine der höchsten weltweit.

In der Mediennutzung der Australierinnen und Australier dominiert das Fernsehen als beständige und beliebte Nachrichtenquelle. Für 42 Prozent der Befragten fungierte das Fernsehen 2019 sogar als Hauptnachrichtenquelle. Die Fernsehlandschaft setzt sich zusammen aus einem eher schwachen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und rund 40 kommerziellen Sendern, die sich teilweise großer Beliebtheit erfreuen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk besteht zum einen aus der ABC (Australian Broadcasting Corporation), die nach Vorbild der britischen BBC agiert. Der zweite Sender SBS (Special Broadcasting Service) ist ein Kulturkanal, welcher viele ausländische Sendungen mit englischen Untertiteln ausstrahlt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat in Australien in den letzten fünf Jahren an Bedeutung eingebüßt. ABC News wurden 2019 von 33 Prozent der Befragten in der letzten Woche rezipiert. Ein deutlicher Einbruch zeigt sich von 2018 auf 2019. Mögliche Gründe könnten die Führungskrise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sowie gestreute Zweifel an der redaktionellen Unabhängigkeit von ABC sein. Nach einer Untersuchung der möglichen politischen Beeinflussung des Senders wurden die Anschuldigungen jedoch zurückgewiesen. Dennoch entstand ein Imageschaden für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In Australien werden Privatsender teilweise häufiger zur Nachrichtenrezeption genutzt als öffentlich-rechtliche. So sind besonders Channel 7, 9 und 10 stark nachgefragt.

Wie in vielen Ländern zu beobachten ist, sind auch in Australien Online-Medien und Social Media inzwischen als Nachrichtenquellen auf dem Vormarsch. 2019 haben 73 Prozent der Befragten Online-Medien (inklusive Blogs und Social Media) für Nachrichten genutzt. Zu den beliebtesten Online-Marken gehören neben den Portalen „News.com.au“ und „nine.com.au“ auch der Online-Auftritt von ABC, sowie die Online-Ableger von Tageszeitungen, wie „Sydney Morning Herald“, „Guardian“ und „The Age“.

Die australische Printlandschaft ist mit weltweit auftretenden Problemen konfrontiert: Zunehmende Medienkonzentration, sinkende Nachfrage nach gedruckten Medien und rückläufige Werbeeinnahmen. Der finanzielle Druck auf die Medien wächst, da ein immer größerer Teil der Werbegelder an Internetkonzerne wie Google oder Facebook fließt. Die australischen Medien liegen in der Hand weniger Unternehmen. Durch die Fusion von Nine Entertainment und der Fairfax Mediengruppe hat sich die Situation 2018 noch verschärft. Ein weiteres Monopol liegt bei dem amerikanischen Medienunternehmer Rupert Murdoch, der mit dem Verlag „News Corp“ Anteile an mehreren großen Zeitungen besitzt. Dazu gehören mit „The Herald Sun“, „The Daily Telegraph“ und „The Australian“ die wichtigsten Tageszeitungen des Landes. Den Zeitungen der „News Corp“ wird vorgeworfen, die konservative Einstellung Murdochs unhinterfragt wiederzugeben. So ist die Mediengruppe insbesondere im Zuge der Waldbrände Anfang des Jahres 2020 stark in Kritik geraten. Die Blätter der „News Corp“ haben den menschengemachten Klimawandel und dessen Zusammenhang mit den Waldbränden ebenso wie die neoliberale, rechtskonservative Regierung geleugnet. So haben sie die Brände zunächst als gewöhnliche Naturerscheinung heruntergespielt, dann nur sehr minimal darüber berichtet und „The Australian“ hat schließlich sogar Brandstiftern die Schuld daran gegeben. Der „News Corp“ wird zudem eine Voreingenommenheit für die konservative „Liberal Party of Australia“ zugeschrieben.

Ein weiterer Paukenschlag für die ohnehin geschwächte australische Medienlandschaft war die im März 2020 angekündigte Schließung der AAP. Aufgrund kostenloser Inhalte im Netz sei die Agentur nicht mehr rentabel. So wird die einzige australische Presseagentur Mitte des Jahres den Betrieb einstellen – mit verheerenden Folgen für die journalistische Qualität im Land. An Stelle der von der AAP bereitgestellten professionellen Informationen, werden Medienunternehmen künftig noch mehr auf schlecht recherchierte und häufig fehlerhafte Informationen aus dem Netz zurückgreifen, so die Befürchtungen. Außerdem gibt es Bedenken, dass aus einigen Gegenden Australiens in Zukunft kaum noch berichtet werden wird.

Die australische Pressefreiheit hat sich innerhalb der letzten ein bis zwei Jahre deutlich verschlechtert. Maßgeblich dazu beigetragen haben die polizeilichen Durchsuchungen der ABC-Zentrale, sowie der Wohnung einer Zeitungsjournalistin. Diese Razzien stellen eine Bedrohung für den investigativen Journalismus und den Quellenschutz dar. Darüber hinaus machen Gesetze zum Terrorismus und zur nationalen Sicherheit eine Berichterstattung über diese Themen fast unmöglich. Eine weitere Einschränkung erleben Journalistinnen und Journalisten bei der Recherche zu den Internierungslagern für Asylsuchende. So bekommen Berichterstatterinnen und Berichterstatter keinen Zugang zu den von der Regierung betriebenen Lagern auf den Inseln Manus und Nauru. Als Zeichen des Protests gegen die eingeschränkte Pressefreiheit haben australische Zeitungen im Herbst 2019 mit geschwärzten Titelseiten reagiert. Auch die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat die Restriktionen zur Kenntnis genommen und Australien im Ranking auf Platz 26 gesetzt, was eine Verschlechterung von fünf Rängen im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Hier können Sie den vollständigen Länderbericht herunterladen.

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